Bereich der Stresstoleranz

Heutzutage spricht man immer häufiger über Stress. Dieses Wort ist so üblich geworden, wie das tägliche Brot. Treffen wir einen Bekannten an und fragen ihn: “wie geht’s?” erhalten wir oft die Antwort: “ich bin gestresst”.

Wir alle leiden mehr oder weniger unter Stress. Woher aber kommt dieser Stress? Dauernd auf die Uhr schauen zu müssen, die Agenda zu konsultieren, das Familienbuget ins Lot zu bringen, einzukaufen, etc.? Dies sind alltägliche, fast normale oder unbedeutende Stresssituationen. Manchmal bringt uns aber ein “normaler” Stress in Krise und lässt uns “krank” fühlen. Warum geschieht dies, trotzdem wir gerade diesem Stress nicht zum ersten mal unterliegen? Der Grund der “Krankheit” ist nicht der gerade erlebte Stress, aber etwas viel tiefgründigeres und bestimmtes. Dieser Stress war eben der berühmte Tropfen, der das Fass zum Ueberlaufen brachte. Es ist derjenige, der den sogennanten Range der Toleranz überstiegen hat.

Was bedeutet Range der Toleranz? Stellen wir uns eine graphische Darstellung vor; auf der Abszisse geben wir die Zeit an und auf der Ordinate eine Wertskala von 0 bis 100. Nehmen wir den Wert 50 als Grenzwert der Stresstoleranz an. Jede Art Stress erhält nun einen Wert; übersteigt die Summe der einzelnen Werte die Zahl 50, werden Symptome einer Störung oder Krankheit auftreten. Gibt es “versteckte” Stresssituationen bei 40, so besteht Stress, der aber nicht feststellbar ist und demnach werden keine Symptome auftreten. Kommt aber zum Beispiel ein heftiger Streit dazu, dem wir einen Wert von 25 geben können, so werden diese 25 mit den bestehenden 40 addiert und somit die Schwelle von 50 überschritten; folglich wird eine Störung auftreten. Streit ist ein offensichtlicher Stress. Wird nach dem Streit schnell wieder Frieden geschlossen, kehrt alles zur Normalität zurück. Daraus schliessen wir, dass der Wert 25, der den Streit betrifft, ohne den vorangegangenen Wert 40 der versteckten Stressfaktoren, gar keine Störung hervorgerufen hätte.

Es ist nun klar, dass es von primärer Wichtigkeit ist, die versteckten Stressfaktoren zu untersuchen. Wir schleppen sie Tag für Tag mit, wie wenn wir in unserem Auto Gegenstände transportieren würden, die wir seit langem nicht mehr benötigen und die langsam an Gewicht zunehmen. Das Auto wird “älter” und die natürliche Abnützung wird durch unnötige Gegenstände überlastet. Wir müssen uns Zeit nehmen, Handlungsfähigkeit und Entschlossenheit besitzen, um diese unnötigen Gegenstände eliminieren zu können. Auf gleiche Weise wie das Auto das altert immer weniger unnötigen Balast erträgt, die mechanischen Organe auf eine harte Probe stellt und somit die Toleranz dem unnötigen Gewicht gegenüber abnimmt, so können mit der Zeit die versteckten Stressfaktoren unseren Körper schwerer belasten und den Range der Toleranz herabsetzen.

Es ist wichtig, diese versteckten Stressfaktoren aufzuspüren, sie zu beseitigen, um dadurch Energie und Ausdauer neuen Impuls zu geben.

Welches können diese “versteckten” Stressfaktoren sein?

Mineralstoff- und Vitaminmangel, Vorkontakt der Zähne, Anwesenheit von toxischen Metallen, Geopathien, elektromagnetische Einflüsse, Unbefriedigung, Nahrungsmittelunverträglichkeit, Lebensstil. Zu diesen “versteckten” Stressfaktoren können auch chirurgische Eingriffe von vergangenen Jahren, Antibiotikatherapien, Cortisontherapien etc. gehören.

In dieser sicher unvollständigen Aufzählung habe ich die psychologischen Komponenten nicht erwähnt.

Ich werde hier einige der obengenannten Faktoren näher beschreiben:

Vitaminmangel:
wenn wir uns ungesund ernähren, entsteht mit der Zeit ein Vitamindefizit. Sind wir uns dessen bewusst, ernähren uns aber weiterhin ungesund, so können wir die nötigen Vitamine ergänzen. Auf diese Weise verringern wir die Werte der versteckten Stressfaktoren, etwa wie wenn wir unser Auto in die Werkstatt bringen würden: eine allgemeine Kontrolle, Ölwechsel, ein Blick auf das Flüssigkeitsniveau etc. Das Auto erträgt den unnötigen Balast besser und der Wert 50, der zu sinken schien, kehrt zum normalen Wert zurück.

Mineralstoffmangel:
es gilt dasselbe wie für den Vitaminmangel. Mineralstoffe sind unerlässlich wie die Vitamine. Sie können ersetzt werden, es ist aber früher oder später nötig, den Lebensstil zu berücksichtigen. Sich ungesund zu ernähren ist eine Komponente eines falschen Lebensstils. Essen wir ungesund und in unkontrollierter Weise, wenig oder sogar zu falschen Zeiten, ist es nicht einmal nötig, extremen Lastern zu frönen, damit der Wert 50 sinkt. Es wäre wie wenn wir vom Auto eine optimale Leistung verlangen würden, ohne jemals einen Ölwechsel vorzunehmen. Ein Wechsel des Verhaltens und der Gewohnheiten ist unbedingt nötig.

Vorkontakt der Zähne:
Besteht zwischen oberen und unteren Zähnen ein abormaler Vorkontakt, das heisst die Zähne stossen nicht gut aufeinander, so ergibt das bei jedem Schlucken Stress, der sich auf den ganzen Körper überträgt. Und wie oft schlucken wir im Laufe eines Tages!

Unzufriedenheit:
In diesem einzelnen Wort können viele Motive enthalten sein, die langsam, jeden Tag, unser armes Auto noch mehr belasten. Ich möchte dieses wichtige Argument jetzt nicht weiter behandeln.

Nahrungsmittelunverträglichkeit:
Dies ist ebenfalls ein ausschlaggebender, “versteckter” Stressfaktor. Wieviel Schaden kann eine nicht erkannte Nahrungsmittelunverträglichkeit hervorrufen bei einer Person mit einer sogenannten allergischen Diathese! Bei Allergien besteht eine Anwesenheit von Immunglobulinen (für Fachleute IgE), bei Nahrungsmittelunverträglichkeit liegt das Problem anders. Es sind keine Immunglobuline vorhanden, der negative Effekt entsteht langsam und die schwerste Unverträglichkeit besteht oft gegenüber demjenigen Lebensmittel, das man bevorzugt und öfters isst. Das Immunsystem ist überlastet und in Allergiesituationen, zum Beispiel gegenüber Pollen, kann das Bestehen von Intoleranzen eine offenkundige Allergie werden, die andernfalls fast unbeachtet ablaufen würde. Dies könnte der Grund sein, dass in der westlichen Welt die Symptome und die allergischen Störungen immer häufiger werden, die Allergien aber, die durch IgE bestimmt sind, nicht in gleichem Masse ansteigen. Dies ist der Effekt der Intoleranzen (oder Hypersensibilitäten). Wir müssen sie unbedingt erkennen! Die Allergien wirken auf bestimmte Organe, die Nahrungsmittelunverträglichkeiten hingegen können jeden Apparat des Organismus schädigen. Diesem Argument wird heute noch nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt.

Elektromagnetische Einflüsse
Sie werden heutzutage immer mehr erörtert. Sie können die “Toleranzlimite” auf ziemlich heimtückische Weise erhöhen. Nachdem wir einige “versteckte” Stressfaktoren genauer betrachtet haben, versteht sich von selbst, dass der Organismus, von verschiedenen Stressfaktoren befreit, den täglichen Stress besser verkraftet und der eventuellen Krankheit erlaubt, sich in erträglichen Grenzen zu halten oder sogar eine Heilung zu erlangen. Ich kann an dieser Stelle nicht auf alle “unbekannten” oder “versteckten” Faktoren eingehen, die die Stresstoleranz erhöhen und habe nur versucht soviel wie möglich in wenigen Zeilen zu vermitteln und einige Mechanismen zu klären, die im Grunde genommen sehr einfach sind.x

Dr. med. Roberto Bruzzone

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