Nahrungsmittelunverträglichkeit und psyche
In letzter Zeit spricht man immer öfter über das Thema der Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Intoleranz. Der Effekt eines Nahrungsmittels kann mit der Psyche zusammenwirken. Dieser Artikel möchte die Mechanismen derselben und ihre Bedeutung im täglichen Leben etwas klären.
Es ist kein Zufall, dass eines der ersten Bücher über dieses Argument von einem Psychiater verfasst wurde. Die Psychiater haben vielleicht auch als erste die Wichtigkeit und die Tragweite der Nahrungsmittelunverträglichkeit für den menschlichen Körper erkannt.
Nachdem die Diagnose gestellt wurde und man dem Patienten mitteilt, dass es unumgänglich ist ein bestimmtes Nahrungsmittel drastisch zu reduzieren oder sogar ganz abzusetzen, bekommt man oft als erste Reaktion zu hören: “Was soll ich dann essen?”, wie wenn es nur dieses eine Nahrungsmittel gäbe. Und weiter: “Darf ich es nun das ganze Leben nicht mehr essen?”
Dies sind die häufigsten Fragen in mehr als 50% der Fälle, wie wenn es ausser diesen Nahrungsmitteln keine andere Ernährungsmöglichkeit gäbe. Manchmal hört man auch: “Darauf verzichte ich nicht!” Trotzdem die Diagnose der Nahrungsmittelunverträglichkeit auf der Hand liegt, stellt man fest, dass eben dieses Nahrungsmittel bevorzugt wird und demnach fast unersetzlich ist. Es besteht eine “Unverträglichkeit” und gleichzeitig eine ausgeprägte Vorliebe für dieses bestimmte Nahrungsmittel, das fast zu einer Art wirklicher “Droge” geworden ist und wie bei Drogen üblich, eine Abhängigkeit produziert. Dies kann beweisen, dass die Nahrungsmittelunverträglichkeit keine Beschwerde ist, wie es irgendeine Allergie sein könnte, die nach Einnahme der verantwortlichen Substanz in kurzer Zeit eine bestimmte Symptomatik hervorruft. Es ist etwas viel tiefgründigeres, das über das “Gehirn” oder die “Psyche” wirkt. Die Beschwerde oder die Krankheit oder noch besser die Störung für den Organismus kann somit wirklich verschiedenartig sein.
Die Einwirkung des Gehirns
Die Nahrungsmittelunverträglichkeit geht über das Gehirn vor sich. Es ist folglich das Gehirn, das die Krankheit “produziert”. Das Gehirn leitet je nach eigenem Bedarf eine bestimmte Beschwerde zu dem betreffenden Organ. Die Störung muss nicht unbedingt den Verdauungskanal betreffen. Sie kann irgendein Organ befallen (z.B. die Gelenke, die Lunge, das Herz, etc.). Nun fragen wir uns logischerweise: “Wie kann ein Nahrungsmittel zur Droge werden, Abhängigkeit hervorrufen und über die Psyche Krankheiten oder Unordnung verursachen (eine Krankheit ist immer eine Unordnung)”? Weil gerade dieses oder ein “verwandtes” Nahrungsmittel in einer bestimmten Situation oder in einem kritischen Moment des Lebens anwesend war und gleichzeitig die Psyche miteinbezogen hatte und dies dann ins Gedächtnis eintrug. Das Nahrungsmittel wird so fest ins Gedächtnis eingeprägt, sodass es, auch nur in kleinen Mengen eingenommen, die Person zu “stressen” beginnt und sie mit Disfunktionen und verschiedenen Störungen in verschiedenen Organen belastet. Die Pathologie wird den Apparat (Verdauungs-, Bewegungs-, Atmungs-, etc.) betreffen, welcher für den Anfangsstress am meisten Bedeutung hat oder haben kann. Dies kann alles unbegreiflich oder sogar unmöglich erscheinen. Mit folgendem Beispiel aus der Praxis wird vieles leichter verständlich.
Ein spezifischer Fall
Eine 28jährige Frau leidet seit einigen Jahren an Panikattaken mit Herzbeschwerden (Tachykardie und Atembeschwerden nervoeser Art). Nach verschiedenen Untersuchungen wird eine Unverträglichkeit auf Weizen entdeckt. Als sie hört, dass sie alle Nahrungsmittel, die Weizen enthalten, absetzen muss, erschrickt sie vorerst sehr. Da es aber der einzige Weg ist um zu genesen, befolgt sie die Ratschläge und setzt alle Weizen enthaltenden Nahrungsmittel ab. Eine genauere Abklärung des Unterbewusstseins zeigt, dass die Patientin im Alter von 3 Jahren, währenddem sie einen Teller voll Teigwaren ass, einen starken Stress erlitt. Von diesem Moment an wurde der “Weizen” ins Gedächtnis “eingeprägt” und viele Jahre danach, aus unwichtigen therapeutischen Gründen, befand sie sich in einer Stresssituation, die diese Pathologie auslöste. In obig beschriebenem Fall “verschwand” die Weizenunverträglichkeit und die Patientin kehrte bald wieder zu kompletem Wohlbefinden zurück.
Wie vorgehen?
Das angeführte Beispiel zeigt, wie ein einfaches Nahrungsmittel eine komplexe Pathologie steuern kann. Es zeigt auch, dass das Nahrungsmittel Organe beträchtlich miteinbezieht, die weit weg vom Verdauungsapparat liegen. Dies war ein sehr treffendes Beispiel, das ermöglichte, unser Problem besser zu beleuchten. Nicht immer ist es möglich, ein Problem an der Wurzel anzupacken, aber dies bedeutet nicht, dass das betreffende Nahrungsmittel “das ganze Leben” lang verboten sein muss. Es ist auch nicht gesagt, dass es immer nötig ist bis zur Wurzel zu gelangen. Zuerst muss die Anwesenheit einer Unverträglichkeit festgestellt oder diagnostiziert werden. Später kann es mit kinesiologischen Techniken möglich sein, diese zu beseitigen. In diesem Zusammenhang müssen wir hervorheben, dass Unverträglichkeit oder Intoleranz nicht das gleiche wie Allergie ist. Zweifellos könnte auch die Allergie Wurzeln in der Tiefe der Psyche haben und somit der sogenannten psychosomatischen Medizin angehören. Es herrscht grosse Verwirrung wenn man von Allergie und Unverträglichkeit spricht. Darum wollte dieser Artikel in Kürze einige wenige, einfache Erklärungen abgeben.
Dr. med. Roberto Bruzzone