Darmdysbiose (zweiter teil)

Was heisst Darmdysbiose? Die Darmdysbiose besteht in einer Veränderung des normalen Gleichgewichtes der bakteriellen Darmflora. Dieses Argument, das in der vorhergehenden Ausgabe behandelt wurde, wird hier wieder aufgenommen und ergänzt.

Möchte jemand seine Gesundheit wieder erlangen, muss man ihn vorallem fragen, ob er bereit ist, die Ursachen seiner Krankheit zu beseitigen. Erst dann kann ihm geholfen werden.
HIPPOKRATES

Im vorhergehenden Artikel wurde versucht zu erklären was eine Darmdysbiose ist. Die Ursachen wurden in externe (unabhängig von unserem Willen) und innere (von unserem Willen abhängige) aufgeteilt. Bevor wir die inneren Ursachen beleuchten, müssen wir zuerst die iatrogenen Aspekte ein wenig genauer betrachten. Unter iatrogen (aus dem Griechischen) verstehen wir alles was eine ärztliche Handlung betrifft; das heisst alles was der Arzt mündlich ausdrückt, bis zu den empfohlenen oder verschriebenen Medikamenten. Die akademische Medizin, die die Ganzheitsmedizin aus den Augen verloren hat (Abhandlung über die Ganzheitsmedizin in der Nr. 81 der Zeitschrift VIVERE), versucht direkt auf das Organ oder auf die pathologische Situation einzuwirken. Es werden Antibiotika, Psychopharmaka und allgemeine Medikamente (z.B. entzündungshemmende) verschrieben, die direkt oder indirekt negativ auf den Darm oder die Darmflora wirken. Bei Personen mit einer Intoleranz gegenüber Milchprodukten kann eine so oft empfohlene kalziumreiche Diät (Milch- und Käsereiprodukte aus Kuhmilch), die Aufnahme von Kalzium, das in den Milchprodukten enthalten ist, verhindern, oder die Aufnahme von Kalzium, das in anderen Nahrungsmitteln enthalten ist, erschweren.

Innere Ursachen
Nahrungsmittel: Alle raffinierten Nahrungsmittel können einer Darmdysbiose Vorschub leisten. An erster Stelle steht der Zucker, der, unabhängig von einer eventuellen Intoleranz, für den Organismus schädlich ist. Er kann das Entstehen einer Candidose fördern, nicht nur im gynäkologischen, sondern auch im Darmbereich. Auch Männer können an einer Darmcandidose leiden. Zu den raffinierten Nahrungsmitteln, die zu einer Dysbiose führen können, gehört auch das Weissmehl. Mit der Ernährung verbunden sind Farbstoffe, Zusatzstoffe und Konservierungsmittel.

Unregelmässiger Lebenswandel Ein Lebenswandel, der “normalerweise” unregelmässig ist, führt unabhängig von der Ernährung zu Störungen des Schlaf-Wach Rythmus; der Darm, der genügend Ruhe benötigt, leidet darunter. Wenn zum Beispiel unregelmässig üppige Abendessen eingenommen werden oder dies spät abends, oder man sich spät zur Nachtruhe legt, erlaubt man dem Darm nicht sich korrekt auszuruhen. Der Darm, vorallem der Dickdarm, “erwacht” etwa um 5 Uhr morgens. Ist der Verdauungsprozess vom Vorabend noch nicht abgeschlossen, wird der Darm gezwungen den Verdauungsprozess auf Kosten des Erholungsschlafes abzuschliessen. So entsteht für den Darm ein Teufelskreis, der mit der Zeit immer schlimmer wird.

Medikamentenmissbrauch Es wurde schon von den iatrogenen Ursachen gesprochen. Es besteht aber auch ein willentlicher Missbrauch. Schmerzmittel, Aufputschmittel, entzündungshemmende Mittel, Abführmittel, Antigrippemittel, Antidepressionsmittel, Beruhigungsmittel, Schlafmittel usw., werden regelmässig von einem grossen Teil der Bevölkerung eingenommen. Viele Fernsehsender machen dafür sogar Reklame.

Der moderne Mensch will nicht leiden und weiss oft nicht, dass das Ausschalten eines Symptoms heisst, eine wichtige Mitteilung, die von unserem Körper oder noch wichtiger von unserer Seele herkommt, zu unterdrücken. Es besteht immer ein Grund dafür. Es gibt eine Ursache, die eventuell mit irgendeiner Hilfe fokalisiert werden könnte.

Bewegungsmangel Bewegungsmangel ist für unseren Darm ungesund. Man muss sich nicht gezwungen fühlen Fitnessstudios zu besuchen, in die Berge zu gehen oder Sport zu treiben. Bewegung heisst einfach gehen, ein wenig schneller als spazieren. Gehen um zu gehen. Manche gehen von der Wohnung ins Auto, vom Auto ins Büro oder ins Einkaufszentrum und dann wieder ins Auto und nach Hause. Dies ist für den Darm nicht gut. Es ist von Vorteil, und das für den ganzen Organismus, mindestens eine halbe Stunde pro Tag zu gehen, (natürlich an der frischen Luft). Dies kann auch trällernd ausgeführt werden.

Schlussfolgerungen Die Darmdysbiose findet im Bereich des Verdauungstraktes statt, schliesst aber den ganzen Körper mit ein. Unsere Gesundheit kann sehr davon abhängen wie wir unseren Darm behandeln. Besteht eine Dysbiose ist es leicht möglich, dass andere örtliche Krankheiten auftauchen, wie die Candidose oder es kann zu anderen allgemeinen Krankheiten führen; denken wir nur an die enorme Wichtigkeit des Immunsystems.

Der zur Verfügung stehende Platz reicht leider nicht aus um das Argument weiter zu vertiefen; viele Punkte wurden nicht einmal erwähnt. Es wurde zum Beispiel nicht von den Fäulnisprozessen gesprochen, die sich im Dickdarm bilden können (schlechtriechende Darmgase). Es wurde versucht ein Ueberblick über das Thema zu geben um dem Laien die Bedeutung des Problemes näher zu bringen. Dies ist keine diagnostische Abhandlung oder Therapie und soll es auch nicht sein. Es ist nützlich zu wissen, dass das Problem existiert und man es angehen kann. Es gibt Ursachen und diese können untersucht werden. Wichtig ist auf einfache Weise vorzugehen und die Ursachen aufzuspühren. Verschiedene Ursachen können zu einer Störung führen (Bereich der Stresstoleranz in der Nr. 82 der Zeitschrift VIVERE).

Wie soll man vorgehen? Man muss zuerst einige stressbedingte Faktoren ausschliessen und zu einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung zurückkehren; die Einnahme von unnötigen Medikamenten verringern; Nahrungsmittel erkennen, gegenüber denen eine Unverträglichkeit besteht; mit Lakto-Ferment der Darmflora helfen zur Normalität zurückzukehren.

Dies könnten die ersten Schritte sein, um dem Darm sein Wohlgefühl zurückzugeben. Unsere Laune wird davon profitieren, wir werden weniger Beschwerden haben, weniger Leiden und unser Immunsystem wird sich verbessern. Es werden sich aber keine sofortigen Resultate einstellen. Es ist wie in der Landwirtschaft: möchten wir Pflanzen, die eine gute Ernte ergeben, müssen wir sie mit Ausdauer pflegen, und viel Geduld aufbringen.

Dr. med. Roberto Bruzzone

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