Darmdysbiose
Was versteht man unter Darmdysbiose? Die Darmdysbiose besteht in einer Störung des normalen Gleichgewichtes der bakteriellen, enteralen Flora (des Darmes). Nach der Geburt ist unser Darm von einer Unmenge von Keimen, sogenannten Saprophyten besiedelt, die für einen normalen Ablauf der Verdauung verantwortlich sind. Wir wissen alle, dass die Verdauung, sei es in physischer wie in psychischer Hinsicht, sehr wichtig ist. Dieses Argument versuchen wir hier etwas zu klären und hoffen dadurch die grosse Bedeutung, die dem Darm zukommt, ein wenig besser verständlich zu machen.
Der Verdauungskanal beginnt am Mund und endet am Anus. Leber und Pankreas gehören ebenso dazu. Jeder Darmabschnitt hat präzise Aufgaben und ist mit dem Rest des Organismus und natürlich mit dem Immunsystem und der Psyche verbunden. Die Oberfläche des Darmes ist 100mal grösser als die der Haut und ist daher ein Bereich, der den grössten Kontakt zur Umwelt besitzt. Nach der Nahrungseinnahme beginnt der Verdauungsprozess bereits im Mund, durch den das Notwendige für unseren Organismus aufgenommen werden soll: nicht nur Proteine, Fette und Zucker, sondern auch Vitamine und Mineralstoffe. Der Darm muss das für den Organismus Notwendige aufnehmen und das Unbrauchbare in Form von Stuhl ausstossen. Sowie eine regelmässige Nahrungsaufnahme wichtig ist, so muss auch der Stuhl regelmässig ausgestossen werden und von richtiger Qualität und Quantität sein. Unabhängig von Beschwerden verschiedener Ursache, kann Qualität und Quantität des Stuhles eine Art Barometer unseres Gesundheitszustandes sein. Für eine gute Verdauung ist die bakterielle, enterale Flora nicht nur sehr wichtig, sondern unentbehrlich. Manche sind überzeugt, dass es genügt, regelmässig Stuhlgang zu haben. Nicht nur Regelmässigkeit ist wichtig, sondern eben auch Qualität und Quantität!
Eine schlechte Darmfunktion kann zu einer Darmdysbiose führen, sowie eine Darmdysbiose zu einer schlechten Darmfunktion führen kann. Dies scheint fast ein Wortspiel, aber in einem gewissen Sinne ist es wirklich so. Beim Versuch dieses äusserst wichtige Problem zu klären und in der Hoffnung, dass dies auf einfache und verständliche Weise gelingt, wird man begreifen können, indem man verschiedene Ursachen betrachtet, dass dieses lokale Problem Auswirkungen auf den ganzen Körper hat. Zuerst versucht man die Ursachen, die ich als externe (oder von unserem Willen unabhängig) definiert habe, von den internen (die von uns abhängen) zu unterscheiden.
Externe Ursachen
- Lebensmittel: was wir essen oder gezwungen sind zu essen. Was wir essen ist nicht immer korrekt, unabhängig von umweltbelastenden Faktoren. Oft hat uns unsere Erziehung zu der Ueberzeugung gebracht, dass unsere persönliche Ernährung die einzig Richtige sei. In vielen Familien werden üppige Abendessen eingenommen und das Frühstück wird praktisch vergessen. Ausserdem, unabhängig von unserem Willen, bevorzugen wir Nahrungsmittel gegen die wir intolerant sind. Wir wissen dies nicht; niemand hat uns jemals gesagt, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten existieren. Falls wir davon Kenntnis bekommen und dies beherzigen, kann es geschehen, dass unser Arzt Intoleranzen mit Allergien verwechselt und sie minimisiert! Natürlich sind auch die Nahrungsmittelallergien nicht zu unterschätzen!
- Umweltverschmutzung: umweltbelastende Ursachen sind nicht nur an die Nahrung gebunden, sondern auch an unsere Umwelt. Farbstoffe, Pestizide und steroïde Hormone, die unserer Umwelt angehören, nehmen wir jeden Tag durch die Nahrung ein. Auch gewisse Lärmimissionen, toxische Schwermetalle und verschiedene Strahlen, Ergebnisse unserer Konsumgesellschaft, haben schädliche Auswirkungen. Sie summieren sich mit den vorher genannten.
- Pathologische Ursachen: entzündliche Krankheiten, vorwiegend des Darmes, durch Entzündungen und Parasiten.
- Iatrogene Ursachen: durch mehr oder weniger unentbehrliche Medikamente. Das geht von einfachen Abführmitteln bis zu Antibiotika, die in ihrer Wirkung immer stärker werden. Der Bereich der Medikamente, die für die Darmflora schädlich sind, ist enorm, da sie unter anderem auch den Säuregrad im Darm verändern können.
- Psychische Ursachen: sie gehen von Stress (jeder Art) bis hin zur Unmöglichkeit unverfälschte Mahlzeiten einzunehmen, da wegen Arbeitsüberlastung oft in grosser Eile gegessen werden muss (fastfood).
Innere Ursachen (die von uns abhängen):
- Nahrungsmittel: eine Diät, die arm an Fasern ist und zu raffinierte Nahrungsmittel enthält (Zucker und Weissmehl) fördert die Peristaltik nicht. Auch eine zu wenig abwechslungsreiche Kost tut dem Darm nicht gut.
- Unregelmässige Lebensweise: oft ist eine unregelmässige Lebensweise durch die Arbeit bedingt. Durch schlechte Gewohnheiten vergisst man oft den Organismus zu respektieren. Der Darm leidet darunter und nach längerer Zeit wird der Organismus die “Rechnung” präsentieren.
- Missbrauch von Medikamenten und Drogen: nicht immer ist ein Mediament wirklich angezeigt. Sobald irgend ein Symptom auftaucht, werden ohne Bedenken Medikamente geschluckt.
- Bewegungsmangel: um einigermassen in Form zu sein ist es nicht nötig ein Fitnesstudio aufzusuchen. Ein einfacher Spaziergang an der frischen Luft kann genügen. Das Gehen der Hausfrau bei den täglichen Hausarbeiten oder das Spazieren um die Schaufenster zu betrachten reicht nicht!
Bevor wir einige der aufgezählten Ursachen analysieren, müssen wir uns an die Wichtigkeit des Darmes als “Organ”, das an das Immunsystem gebunden ist erinnern. Es scheint, unter anderem durch die Anwesenheit der Peyerschen Plaques, das Wichtigste Organ des Immunsystems zu sein. Man kann daher verstehen warum ein gutes Gleichgewicht der bakteriellen Darmflora wichtig ist. Daher wird unser Immunsystem jedesmal verbessert, wenn wir eine Ursache der Dysbiose eliminieren können.
Untersuchen wir nun einige der externen Ursachen der Dysbiose:
- Nahrungsmittel: der Mensch ist ein Omnivore (Allesfresser); er kann fast alles essen. Falls ein Nahrungsmittel ungeeignet ist, kann dies von der Art und Weise wie es gegessen wird oder von Intoleranzen abhängen. Was die Art und Weise des Essens betrifft, kann ungenügendes Kauen verantwortlich sein, eine falsche Methode beim Vorbereiten der Speisen, ungenügende Abwechslung (immer die gleichen Speisen) oder deren falsche Zusammensetzung. Die industrielle Herstellung der Rohstoffe, die ihre Natürlichkeit verloren haben, ist nicht zu unterschätzen. Nicht zu vergessen, dass gewissen Theorien folgend, der Mensch das einzige Säugetier ist, das nach dem Abstillen weiterhin Milch trinkt. Was die Nahrungsmittelunverträglichkeiten betrifft, essen wir oft besonders gerne diejenigen Nahrungsmittel, gegenüber denen wir eine Unverträglichkeit besitzen. Auf diese Weise verschlechtert sich unser Gesundheitszustand und demzufolge die Dysbiose.
- Umweltbelastung: zu den umweltbelastenden Faktoren gehören nicht nur die Pestizide oder die Steroïde, welche wir, ohne es zu wissen, einnehmen, aber auch viele Farbstoffe und Zusatzstoffe, die immer öfter eingesetzt werden um den Nahrungsmitteln ein schöneres Aussehen und einen besseren Geschmack zu verleihen und um eine immer längere Haltbarkeit zu erzielen. Die Behälter für Nahrungsmittel sind nicht zu unterschätzen (z.B. Fruchtsäfte) die mit Aluminium ausgekleidet sind (toxisches Metall) oder die Joghurtdeckelchen (aus Aluminium). Mineralwasser wird fast nur noch in Plastikflaschen angeboten und das Hahnenwasser ist oft mit Chlor angereichert…
- Die psychologischen Ursachen (Stress) sind unzählig. Jede Stressituation beeinflusst die Darmmotilität. Denken wir nur an das colon irritabile, an die Gastritis, an Bauchblähungen oder an Gallenblasenbeschwerden. Um nicht von Durchfällen wegen effektiver Angst oder Angstvorstellungen zu sprechen. Unzufriedenheit, Wut und Angst, um nur einige unserer Gefühle zu nennen, beeinflussen den Darm und führen zu einer Dysbiose oder deren Fortbestehen.
Leider genügt der hier zur Verfügung stehende Platz nicht um diese und andere Ursachen der externen Dysbiose zu vertiefen. Es wurden nur die internen Ursachen dargestellt. Es wird interessant sein, einige Konsequenzen der Darmdysbiose zu untersuchen.
Dr. med. Roberto Bruzzone